Werbung für Sportwetten: Die Buchmacher finanzieren die Liga!

Werbung für Sportwetten: Die Buchmacher finanzieren die Liga!

Es ist Samstagnachmittag. Das Bier ist gekühlt und die Fans freuen sich auf das anstehende Bundesligaspiel ihres Lieblingsvereins. Doch wer das Spiel live verfolgen will, der wird auch unweigerlich Werbung für Sportwetten sehen. 

Der Markt für Sportwetten hat sich in den letzten Jahren immer mehr mit dem Fußball verschmolzen. So ist es mittlerweile quasi unmöglich ein Fußballspiel live zu verfolgen, ohne auf die Werbung eines Anbieters für Sportwetten zu stoßen. Doch wie kam es eigentlich dazu, dass die Werbung für die Branche immer mehr Einzug im Fußball finden konnte? 

Werbung auf Sky, DAZN & Co

Effektive Werbung ist für so ziemlich jedes Unternehmen essenziell. So kamen auch Buchmacher früh auf die Idee, das Werbebudget dort einzusetzen, wo die Zielgruppe durch die Faszination Fußball gebündelt wird. Die Entwicklung ist allerdings erschreckend.

Früher war die Situation noch deutlich ruhiger. Während es damals nur ein bis zwei große Anbieter gab, die ihre Spots vor und nach den Spielen im Programm des Senders integrierten, sieht die Lage heute ganz anders aus. Es ist mittlerweile nicht mehr unüblich, dass die Werbefläche vor einem Spiel von fünf oder mehr unterschiedlichen Anbietern geteilt wird. 

Werbung vor den Spielen ergibt prinzipiell Sinn

Prinzipiell ist die Werbung für Sportwetten im Fußball durchaus sinnvoll. Schließlich trifft sie hier garantiert die richtige Zielgruppe und ist damit enorm effektiv.  Außerdem sind die Zeiten für die Austragung der Werbung gut durchdacht. In der Vorberichterstattung gibt es die meisten Unterbrechungen mit Anzeigen für die Anbieter. 

Das macht auch Sinn, denn viele Fans erhalten im Vorlauf eines Spiels häufig Informationen, über die sie zuvor nicht verfügt haben. So wäre zum Beispiel eine plötzliche Verletzung beim Warmmachen oder eine kurzfristige Umstellung der Taktik vor dem Spiel durchaus ein Grund, die eigene Prognose zum kommenden Spiel zu überdenken. 

Hier kommen die Werbungen für Wettanbieter ins Spiel. Wenn ich eine halbe Stunde vor Anpfiff erfahre, dass der Topstürmer des gegnerischen Vereins verletzungsbedingt ausfällt, ändert das natürlich so einiges. Folgt darauf eine Unterbrechung und die Werbung für einen Anbieter von Sportwetten, könnte durchaus das Verlangen bestehen, einen Tipp mit wenigen Toren für das gegnerische Team abzugeben. 

Im heutigen Zeitalter ist die jeweilige App des Anbieters schnell installiert und die ersten Euros werden auf das neu angelegte Konto eingezahlt.Somit hat es der Buchmacher geschafft, seine Werbung effektiv für die Neugewinnung von Kunden einzusetzen. 

Quelle: https://unsplash.com/photos/HgwY_YQ1m0w

Österreich ist ein Paradebeispiel für zu viel Werbung durch Buchmacher

Die österreichische Bundesliga ist ein Paradebeispiel dafür, dass man es mit Werbung auch übertreiben kann. Seit der Saison 2014/15 ist ein großer Wettanbieter Namensgeber für die Liga. In der Saison 2018/19 kam es dort sogar so weit, dass jeder einzelne Verein eine Kooperation mit einem Buchmacher einging. 

Obwohl nur zwölf Teams an der Bundesliga teilnehmen, wurde in der Saison 2018/19 für fünf verschiedene Buchmacher Werbung betrieben. Diese finden entweder Platz auf den Trikots, den Stadionbanden oder teilweise auch nur als Logo auf der Website.

In Deutschland sieht es hier hingegen deutlich besser aus. Zwar werben auch hierzulande viele Vereine mit Buchmachern, jedoch längst nicht in der Menge wie es im Nachbarland Österreich der Fall ist. 

Präsenz zeigen ist essenziell

Im Vordergrund der vielen Werbung steht wohl eher die Kundenbindung. Zwar werden durch die Werbungen auch einige Neukunden dazugewonnen, der Teil von neuen Wettfans ist allerdings, auch aufgrund der endlichen Ressource, eher geringer.

Hier liegt das eigentliche Augenmerk darauf, den Kunden an einen Anbieter zu binden. 

Bei anderen Werbungen ist eine ähnliche Entwicklung zu erkennen. Mehrmals täglich laufen im gewöhnlichen TV die gleichen Spots. Auf den ersten Blick macht es wenig Sinn, den gleichen Eistee zehnmal am Tag zu bewerben. Denn wenn ein Nutzer die Werbung erstmals gesehen hat, ist er in der Regel ausreichend zu einem gewissen Produkt informiert.

Das eigentliche Ziel, den Eistee mehrfach täglich zu bewerben, ist definitiv die Kundenbindung. Ist ein Zuschauer mehrfach mit dem Produkt konfrontiert, bleibt es deutlich länger Gedächtnis.

So ist auch der Kampf unter den Buchmachern groß, die begehrten Werbeplätze zu ergattern. Die Inhaber der Werbelizenzen profitieren ganz klar durch diese Entwicklung. Denn umso mehr Nachfrage für einen Platz als Sponsor besteht, desto höhere Beträge können fließen. 

Auch in Kicker, Onefootball & Co gibt es Werbung für Buchmacher

Wer sich gerne vorab über ein anstehendes Spiel informiert, der greift oftmals zu den Apps von Kicker, Onefootball und Co. Auch hier tauchen immer wieder Werbungen für Anbieter von Sportwetten auf. 

Vor allem auf der Übersicht der Spieltage sind hier immer wieder Verlinkungen zu Buchmachern sichtbar. Hierbei ist es oft der Fall, dass die Quoten für Heimsieg, Unentschieden und Auswärtssieg angezeigt werden. Mit einem einfachen Klick auf diese Quoten wird man auf die Seite des entsprechenden Anbieters weitergeleitet. 

Ob die Apps direkt für das Anzeigen der Quoten bezahlt werden, ist unterschiedlich. Nicht immer fließt ein vorher definierter Betrag für die Darstellung der Quoten. Es besteht auch die Möglichkeit, dass sich die Apps eine Art Provision auszahlen lassen. Wenn dann ein Nutzer von Kicker auf einen Anbieter weitergeleitet wird und dort eine Wette platziert, besteht die Möglichkeit das Kicker beispielsweise ein Prozent der Wetteinsätze als Provision erhält.  

Was sich an der Werbung ändern sollte

Wie bereits beschrieben, hat die Werbung für Sportwetten großes Potential. Eine Wette kann zu einem besonderem Spielerlebnis führen und die Buchmacher haben im Fußball durchaus ihre Daseinsberechtigung. 

Was sich aber grundlegend ändern sollte, ist die Menge der abgespielten Werbung. Auf Sky und Co folgen teilweise Spots unterschiedlichster Anbieter aufeinander. Das kann auf der einen Seite ziemlich nervend für den Zuschauer sein. Hier lässt sich zwar positiv vermerken, dass Werbung generell als störend wahrgenommen wird.

Auf der anderen Seite kann es aber auch nicht der Anspruch der Wettanbieter sein, sich einem solchen Konkurrenzkampf auszusetzen. Auch in den Anzeigen von Suchmaschinen begeben sich die Anbieter ins Haifischbecken und müssen versuchen, um die vordersten Plätze zu kämpfen. 

Zwar ist die Bundesliga die größte Fußball-Veranstaltung Deutschlands, die Buchmacher würden sich aber wohl trotzdem selber einen Gefallen tun, wenn sie auf Werbung in dieser Menge verzichten würden. Eine gezieltere Investition des Werbebudgets wäre in manchen Fällen sicher angebracht.

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