Die Geschichte des Webdesigns

Die Geschichte des Webdesigns

Die Geschichte des Webdesigns aus Sicht eines Produktanbieters und seiner Kunden

Das Webdesign erfuhr eine Menge Veränderung seit der Entstehung des Internets und später des www (world wide web). Gerade am Anfang dominierte der einfache Text. Die Bandbreiten waren begrenzt und auch die Rechengeschwindigkeit der Anzeigegeräte war gering, so dass aufwändige Grafiken und Animationen gar nicht angezeigt werden konnten. Der Nutzerkreis umfasste meist nur Computerprofis, die es gewohnt waren mit kryptischen Befehlen an Informationen zu gelangen.

Erst nach und nach wurde das Internet als kommerzieller Raum erschlossen. In diesem Zuge wurden auch die Webseiten durch anspruchsvolleres Webdesign benutzerfreundlicher. Nicht mehr der Nerd, der nach Informationen suchte stand im Mittelpunkt, sondern der potentielle Kunde. Diesem musste man die eigenen Produkte und Dienstleistungen so schmackhaft wie möglich machen. Eher im Stil eines Marktschreiers wurde die erste Werbung gemacht. Blinkend, bunt, aufdringlich. Werbefilter für Browser gab es damals noch nicht. Auch das Design der ersten Seiten war in einfachem HTML. Grafiken meist schlecht platziert und nur gedacht, um die Seite „etwas bunt“ zu gestalten. Vor allem Produktseiten orientierten sich meist an Printkatalogen, die Erfahrungen sowohl der Designer als auch Kunden war eben noch stark in der physischen Welt behaftet.

Gerade im Zuge höherer Bandbreiten und vor allem datenbankbasierter Webseiten wurde es möglich, Suchfunktionen einzubauen und im Laufe der Zeit zu erweitern. Der Kunde konnte nun im Produktangebot des Anbieters konkret nach bestimmten Kriterien suchen. Er kam schneller zu einer Lösung. Höher aufgelöste Bilder ermöglichten nun, mehr Details der Ware zu erkennen.

In den letzten 10 Jahren nahm die Orientierung auf den Kunden weiter zu. Während früher gerade Kundenbetreuung und Beratung während des Kaufvorgangs ein wichtiges Kriterium für den Einkauf im physischen Einzelhandel waren, erodierte dieser Aspekt zunehmend.

Heute werden zum Teil deutlich bessere Rahmenbedingungen geboten. Die Webseite führt den Kunden anhand verschiedener Kriterien schnell zu einer Lösung seines Problems. Der Kunde wird nach Besuchen wiedererkannt. Passende Produkte werden ihm angeboten. Zahlreiche Bewertungen, meist durch die Schwarmintelligenz der Käufer erstellt, bieten einen Mehrwert, der im Einzelhandel nicht annähernd geboten werden kann. Videos, welche das Produkt erklären, deren Anwendung oder Lösungen im Problemfall, runden das Angebot ab.

Das Webdesign hat also große Schritte unternommen, was vor 30 Jahren Utopie war ist heute selbstverständlich und das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht.

User Experience (UX) im Webdesign

Was ist User Experience?

Der Begriff der User Experience ist relativ neu. Während das Design von Oberflächen in der Softwareentwicklung und dem Webdesign bereits seit Jahrzehnten praktiziert wird, ist der Fokus auf User Experience noch nicht so stark.

User Experience kommt aus dem Englischen und bedeutet Benutzererfahrung. Es umfasst also mehr als das reine Oberflächendesign oder die Verwendung von Farben.

Der Benutzer steht im Mittelpunkt, genauer: Sein Anwendungsfall. Der Besucher einer Webseite versucht ein Ziel zu erreichen, in der Regel ein Problem zu lösen. Diese Erfahrung soll so angenehm wie möglich gestaltet werden.

Wie kann ich die Erkenntnisse aus der User Experience bei meinem Webdesign berücksichtigen?

Die User Experience sollte der zentrale Dreh- und Angelpunkt beim Design einer Webseite sein. Alle anderen Punkte, wie Verwendung von Bildern, Aufteilung des Textes, etc. sind nur Folgen, die aufgrund der angestrebten positiven Benutzererfahrung optimiert werden.

Das Problem ist, man kann kaum konkrete Tipps geben. Die Anpassung der Webseite ist stark von der Zielgruppe abhängig. Ein Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung als Requirements Engineer: Ein Kunde hat eine Software geordert. Die Oberfläche ist, sagen wir mal, etwas altbacken. Aber die Benutzer sind zufrieden. Mich hat das selbst überrascht, da der erste Wurf zunächst als Prototyp gedacht war, der allerdings optisch noch aufpoliert werden sollte.

Es hat sich herausgestellt, dass die Zielgruppe in der Altersgruppe ab 50 zu finden ist. Dementsprechend konnte eine gewisse Abneigung gegen zu bunte und moderne Oberflächen erklärt werden. Dieselbe Software wäre von einer Altersgruppe von 15 – 25 niemals akzeptiert worden!

Dieses Beispiel aus der Realität zeigt, dass Sie Ihre Zielgruppe kennen müssen. Sind es junge Menschen oder ältere? Akademiker oder Arbeiter?

Auch worin der Mehrwert Ihrer Seite besteht, sollte klar sein. Besuchen Menschen diese Seiten, um viel Zeit dort zu verbringen? Ein Videoportal dessen Geschäftsmodell Werbeeinblendungen sind wäre so ein Fall. Oder wollen Sie ein Produkt verkaufen? Dann sind Produktfinder und Empfehlungen wichtig. Der Kunde möchte schnell zum Ziel gelangen. Gerade bei B2B (Business to Business) Seiten ist das zu beobachten. Zeit ist Geld, wer die Webseite besucht, der sollte schnell zum Ziel gelangen.

Ich empfehle Folgendes, je nach Fall und Budget:

Budget und erwartete Einnahmen: Hoch

In diesem Fall können Sie viel Geld in die Analyse der Zielgruppe stecken. Zunächst sollten Sie herausfinden, wer Ihre Zielgruppe ist. Die Produkte oder Dienstleistungen, welche Sie anbieten sind schon ein guter Hinweis. Dies muss allerdings nicht deckungsgleich sein mit den Besuchern Ihrer Webseite. Es kann zum Beispiel sein, dass Ihr Produkt vornehmlich von Kunden höheren Alters gekauft wird, Ihre Webseite aber nur von jüngeren Kunden aufgesucht wird. Verschiedene Taktiken sind nun möglich. Eine wäre Anpassung der Webseite an ältere Kunden um so ein höheres Potential auszuschöpfen. Auch die Erstellung mehrerer paralleler Webseiten mit unterschiedlichem Design ist denkbar.

Das alleine reicht aber noch nicht für eine gute User Experience. Beobachten Sie die Nutzer. Am besten in einem persönlichen Termin. Wie stellt sich ein Nutzer an, der die Seite noch nie besucht hat? Findet er, was er braucht? Welche Fragen bleiben ungeklärt? Wichtig sind auch nonverbale Signale. Wo sucht der Anwender nach Antworten? Früher war es üblich, Navigationsmenüs links anzuzeigen. Ich merke es bei mir selbst, dass ich dazu neige, zuerst links nach Antworten zu suchen. Die modernen bunten Designs, die sich eher an Smartphones orientieren, lenken mich eher ab.

Es gibt Dienstleister, die sich darauf spezialisiert haben, genau solche Untersuchungen durchzuführen. Wenn Ihr Budget und die erwarteten Einnahmen es zulassen, investieren Sie hier etwas Geld. Und orientieren Sie das nachfolgende Webdesign an diesen Erkenntnissen. Nicht Ihnen oder dem Designer muss es gefallen, sondern demjenigen, den Sie auf Ihre Webseite ziehen möchten.

Budget und erwartete Einnahmen: Niedrig

In diesem Fall würden Felduntersuchungen mit echten Personen wohl das Budget sprengen. Versuchen Sie, den sparsamen Weg zu gehen: Fragen Sie Freunde und Bekannte, die in die Zielgruppe passen, ob sie Sie unterstützen. Versuchen Sie über Analysetools soviel wie möglich über Ihre Zielgruppe, die bereits Ihre Webseite besuchen, herauszufinden.

Konzentrieren Sie sich nun beim Design auf wenige Elemente. Lieber nur wenige Seiten top optimieren als viele Seiten aufbauen und diese in einem halbherzigen Zustand belassen. Wenn Sie wissen, welches Produkt den meisten Umsatz ausmacht, kann es sich lohnen, gerade dieses Produkt in den Mittelpunkt Ihrer Webseite zu stellen. Sollte sich Ihre finanzielle Situation und Ihr Budget durch erfolgreiche Verkäufe verbessern, dann können Sie zusätzliche Produkte in Ihren Webauftritt aufnehmen und die Seite weiter optimieren.

Andere Kombinationen von Budget und Einnahmen

Ist das Budget hoch, aber die Einnahmeaussichten eher gering, sollte man nicht zuviel Aufwand in die Webseite stecken. Bei einem geringen Budget und möglichen hohen Einnahmen sollte man sich überlegen, an anderen Stellen im Projekt zu sparen und eine angenehme Benutzererfahrung zur obersten Prämisse zu erheben.

Die Zukunft des Webdesigns

Die Zukunft kennt niemand. Aber ein paar Trends sind bereits jetzt absehbar. Durch die Weiterentwicklung der Technik wird der mobile Kunde irgendwann den Hauptteil ausmachen. Darum wird sich das Webdesign auf kleine hochauflösende Displays fokussieren müssen. Adaptive Designs sind da das Zauberwort, um vor allem Parallelentwicklungen beim Webdesign auszuschließen.

Durch die Entwicklung künstlicher Intelligenz wird die Interaktion mit dem Kunden aktiver gestaltet werden. Im Sinne von Beratern werden Produkte und Dienstleistungen zeitnaher angeboten. Bereits heute ist Google da sehr weit. Es werden Produkte und Dienstleistungen in der örtlichen Nähe des Nutzers angeboten. Dies empfinde ich noch als sehr primitiv. Aber es wird sich ändern. Auf der einen Seite sehe ich als Gefahr den gläsernen Kunden. Auf der anderen Seite aber auch das Potential, welches sich dahinter verbirgt.

Ich sehe auch eine große Zukunft in der Sprachsteuerung. Wir werden wohl nicht mehr primär über Displays interagieren, sondern per Sprache. Produkte und Dienstleistungen werden wir über eine KI bestellen. Diese wird die heute verteilten Informationen (F.A.Q., Produktvideos, Bewertungen, etc.) bündeln und in natürlicher Sprache zur Verfügung stellen. Die älteren Kunden werden zwar weiterhin auf Displays und Tastatur setzen, weil sie es so von Früher gewohnt sind, diese werden aber auch nach und nach aus dem Markt herausfallen. Die jüngere Generation wird es gewohnt sein, mittels Sprache zu interagieren.

Zusammenfassung

Webdesign ist einem stetigen Wandel unterzogen. Was früher, vor allem aufgrund technischer Beschränkungen, unmöglich schien, ist heute Alltag: Videos, Live-Chats, Kaufempfehlungen, interaktive Ratgeber,…

Auch die Erwartungshaltung der Nutzer hat sich im Laufe der Zeit stark gewandelt. Früher war der Aufruf eines hochauflösenden Bildes ein „Wunder“, heute erwartet der Kunde eine allumfassende Betreuung, Bewertungen von Produkten und vieles mehr. Dies soll vor allem mobil möglich sein, was die Webdesigner vor neue Herausforderungen stellt.

Was die Zukunft bringt, weiß niemand. Bandbreiten und Leistungsfähigkeit aller Geräte werden aber weiterhin zunehmen. Und damit gerade den mobilen Kunden noch weiter in den Mittelpunkt stellen.